Cyberkriminalität ist heute weltweit praktisch an der Tagesordnung und schlägt sozusagen überall zu, wo wertvolle Informationen entweder zur finanziellen Bereicherung oder zur Ausübung von Einfluss auf die Massen gewonnen werden können.

Hacker schrecken vor nichts zurück, auch nicht vor der Kirche
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts könnte es den Anschein haben, dass der Einfluss der Kirche auf das Leben und die Entscheidungsprozesse der Menschheit stetig schwindet, doch das entspricht nicht ganz der Wahrheit. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Bereichen und Regionen, doch die Behauptung, dass mit dem Verschwinden mittelalterlicher Bräuche auch die Tätigkeit der Kirchen als solche verstummt sei, trifft bei weitem nicht zu.
So greift beispielsweise die orthodoxe Kirche in den Staaten des ehemaligen Sowjetblocks in erheblichem Maße in das Leben der dortigen Bevölkerung ein. Das gilt auch für die Ukraine bzw. das Patriarchat in Kiew, das mit dem Moskauer Patriarchat um Einfluss auf das Denken und Verhalten der Menschen konkurriert. Derzeit bekennen sich etwa 45 Prozent der Menschen zum ukrainischen Zweig der orthodoxen Kirche, zum Moskauer nur 21 Prozent. 
Der Konstantinopeler Patriarch Bartholomäus ist in der Ukraine die höchste geistliche Autorität. Er kann auch darüber entscheiden, ob Kiew in Zukunft in Fragen des orthodoxen Glaubens unabhängig vom russischen Einfluss sein wird. Tatsächlich kam es bereits nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in der ersten Hälfte der 90er Jahre zu einer Trennung des dortigen Patriarchats, allerdings nur zu einer symbolischen. Eine tatsächliche, von Russland unabhängige Autonomie wird vorerst nur angestrebt.
Hackerangriff auf das Sekretariat von Patriarch Bartholomäus
Genau aus diesem Grund wurde Patriarch Bartholomäus zum Ziel eines Hackerangriffs auf E-Mail-Postfächer. Insgesamt waren knapp fünftausend E-Mails von Mitarbeitern des Sekretariats betroffen, wobei der Patriarch selbst über kein eigenes Postfach verfügt. Angeblich handelte es sich um einen Angriff aus Russland, genauer gesagt von einer Hackergruppe namens Fancy Bear. Diese Gruppe steht auch im Verdacht, einen Angriff auf die IT-Systeme der Demokratischen Partei in den Vereinigten Staaten verübt zu haben. Die russisch-orthodoxe Kirche selbst hat sich jedoch nicht zu diesem Vorfall geäußert, sondern lediglich behauptet, von den Hackerangriffen überhaupt nichts gewusst zu haben.